Posts mit dem Label Politik werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Politik werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 30. Januar 2016

(Un)Freiwilliges Entertainment

Neujahrsempfänge in Augsburg Stadt und Land

Ach, ich mag diese traditionellen Neujahrsempfänge von Städten, Gemeinden und Parteien. Bei vielen Gästen (und vor allem Journalisten) liegt das an den kostenlosen Getränken und den Häppchen. Aber das ist es gar nicht. Man erlebt dort als Radioreporter einfach so viel. Man führt Gespräche, bekommt Informationen und wird vor allem fantastisch unterhalten. Der Entertainment-Bereich findet teilweise unfreiwillig statt und ist von den Protagonisten nicht gewollt, aber das macht es gerade aus.

Die Highlights im Jahr 2016:

- Die CSU begrüßte Finanzminister Söder als Stargast. Der war zwar gesundheitlich etwas angeschlagen, seine Rede stieß in der Zielgruppe trotzdem auf Begeisterung. Ein paar Witze über Berlin (Flughafen etc.) gehen immer. Der Saal tobt. Nach dem offiziellen Teil dann der Einsatz des Radioreporters. Jedoch anders als gedacht. Eigentlich wartend auf das Interview mit dem Minister, bekommt man plötzlich ein Handy in die Hand gedrückt. Danach nochmal eins und weil's so schön war gleich wieder. Jeweils mit klarer Anweisung der iPhone-Besitzer, die sich währenddessen breit grinsend neben Söder aufstellen: "Foto, schnell!" Auch Markus Söder weiß nicht ganz genau, wie ihm geschieht. Er nimmt den Brief / die Broschüre / die Unterschriftensammlung für oder gegen irgendwas trotzdem freundlich in die Hand und lächelt etwas gequält in die Linse. Profi halt. Am Ende des Nachmittags ruft CSU-Urgestein Bernd Kränzle Söder dann noch zum neuen Ministerpräsidenten aus. Das nächste Mal werde Söder acht, neun Minuten Applaus erhalten! Denn "das ist die Dauer, die in entsprechenden Positionen üblich ist!"
Ich hoffe übrigens, meine Fotos waren zur Zufriedenheit aller. Meist ist bei mir nämlich ein Finger vor der Linse. Vielleicht hätte ich das vorher sagen sollen.  

- Bei der Schwäbischen Wirtschaft ging es dieses Jahr um das Thema "Wirtschaft und Ethik". Sehr interessant und mit klugen Köpfen auf dem Podium. Und wäre der Stargast tatsächlich der gewesen, der angekündigt wurde, es wäre eine Sensation gewesen: Karl Marx, immerhin seit 133 Jahren tot. Raunen im Publikum, Gemurmel. Ach so, der IHK-Chef hat sich nur verlesen. Erzbischof Reinhard Kardinal Marx erklimmt anschließend die Bühne. Als dann der Moderator des Abends noch etwas von "Bitteschön, Herr Kriminal... Kardinal" erzählt, herrscht kurzzeitig belustigte Unruhe unter den 1000 Gästen.   

- Die Stadt Neusäß hatte ihre Bürger in die Stadthalle eingeladen. Angenehm kurze Reden, gute Musik, volle Hütte. Größtes Tuschel-Thema: Landrat Martin Sailer sitzt zeitgleich beim Empfang in Stadtbergen und war nicht in seinem Wohnort Neusäß. Ein Signal nach den Streitereien mit Neusäß über die Flüchtlingsunterbringung? Definitiv, sagen etliche, die es wissen müssen. 

- Die SPD hatte ihren Neujahrsempfang zeitlich extra nach vorne gelegt, um einen dicken Fisch an Land zu ziehen: Vizekanzler Sigmar Gabriel ist auf dem Weg zur Messe zum Deutschen Schaustellerverband und schaut vorher noch im Rathaus vorbei. Ankunft eine halbe Stunde zu spät.
Die Hollaria ist zur Überbrückung zur Stelle. Wegen Platzproblemen im Rathaus muss sie in der dunkelsten, hintersten Ecke des Saals auftreten. Dann kommt Gabriel, hat nur wenig Zeit. Entsprechend kurz fallen die Begrüßungen von Fraktionschefin Margarete Heinrich und der Parteivorsitzenden Ulrike Bahr aus. Letztere hatte es vor zwei Jahren geschafft, eine 30-minütige Rede zu halten - ausschließlich mit namentlichen Begrüßungen. Selbst hartgesottene SPDler brachen damals zumindest gedanklich in Tränen aus und echauffierten sich hinter vorgehaltener Hand. Diesmal also alles in angenehmer Länge. Gabriel bricht nach seiner Rede sofort auf. Mein Gespräch mit ihm beschränkt sich auf "Hallo Herr..." - "Keine Chance, muss weiter!" An seiner Stelle interviewe ich Stefan Kiefer: Weniger Körperumfang, aber (neuerdings) mehr Bart! 
Der Empfang wird später fortgesetzt, u.a. mit einer Rede des Regensburger OBs Joachim Wolberg.

- Die FDP hatte gleich zwei Stargäste: Die Generalsekretärin der Bundes-FDP Nicola Beer und den Landesvorsitzenden Albert Duin. Alles in etwas kleinerem Rahmen als bei den "Großen", aber trotzdem nett. Die bezaubernde Sängerin im roten Kleid wäre das Highlight des Abends gewesen, wäre da nicht jener bezopfte Herr gewesen, der plötzlich in einer hinteren Reihe aufspringt und das Grundgesetz in der Hand haltend die aktuelle Flüchtlingspolitik anprangert, brüllt und nicht mehr zu beruhigen ist. Stadtrat Markus Arnold muss den Flegel klischeehaft aus dem Saal bugsieren. Mit seinen letzten Worten an der Tür kündigt der Mann grölend seinen Austritt aus der FDP an. Die ehemalige Bundestagsabgeordnete Miriam Gruß geht mit ihrer sechsmonatigen Tochter in Deckung, um nicht den geballten Zorn des Herrn und seines Grundgesetzes abzubekommen. Die neue Kreisvorsitzende Katrin Michaelis bleibt bei ihrer Rede nach dem Vorfall relativ cool. Die zeitgleiche klägliche Niederlage der Augsburger Panther setzt ihr weit mehr zu. Eine Podiumsdebatte steht als letzter Programmpunkt an. Die geht jedoch so lange, dass nur noch eine Handvoll Gäste das Ende mitbekommt. Der Rest steht schon lange am Buffet. 

Das war's praktisch schon mit den Neujahrsempfängen 2016. Fast. Am 12. Februar kommt Frauke Petry zur AfD. Das wird leider nicht lustig. Eher traurig.

Sonntag, 3. Mai 2015

Sonntag in the City - und der Augsburger kommt

Drei Jahre lang hat der Augsburger mehr oder weniger klaglos die Baustellen in der Innenstadt hingenommen. Ähnlich klaglos nahm er an diesem Sonntag das regnerische Wetter hin - und kam trotzdem am "Sonntag in the City". Zehntausende waren letztlich da.

Die Stadt hatte sich Einiges einfallen lassen, um den Augsburgern und besonders dem Umland zu sagen "Hey, bei uns ist es wieder ganz schön, schaut vorbei": Live-Musik, Klettergarten, Kunstrasen, Schirm-Parade usw...





Dennoch stand ausgerechnet das Konzert der Augsburger Philharmoniker zur Eröffnung des Tages auf der Kippe, obwohl das indoor im ehemaligen Woolworth-Gebäude (Augsburgerisch: Wollwort) stattfand. Weil: Es war saukalt dort. Aber Musiker und Instrumente brauchen nun mal 17 Grad. Nicht mehr und nicht weniger. Also wurde kurzerhand letzte Woche eine Heizung eingebaut. Bei den Proben das nächste Problem: Der Diesel-Gestank jener Heizung gefiel nicht. Und so hatte Organisator Stefan Sieber die Ehre, am Feiertag des 1. Mai eine neue aufzutreiben - und hatte damit Erfolg. So konnte Dirigent Lancelot Fuhry (Was für ein Name!!) vor knapp 1000 Besuchern zur Tat schreiten.

Alles unter den Augen des Stadtoberhaupts: Der König von Augsburg war da. Als ihn sein Stellvertreter Kurt Gribl in seiner Rede begrüßte, signalisierte er - so meine ich - durch ein freundliches Nicken, dass er den Innenstadtumbau gut heiße. Mehr braucht es als Monarch oftmals nicht.

In der ganzen Stadt war danach viel los, die Fußgängerzone wurde voller und voller. Einzig der Königsplatz fiel da etwas ab. Die nasse Skater-Rampe war nicht benutzbar und allzu viele Tanzwütige für die Open-Air-Disco gab es trotz des DJ-Sounds nicht.

Von 13 bis 18 Uhr hatten dazu die Geschäfte auf. In einem Laden fordert mich die Verkäuferin auf, nicht nur zu schauen, sondern gefälligst zu konsumieren und etwas für den Handel zu tun. Ich bekomme ein schlechtes Gewissen und erwerbe schleunigst zwei Hemden. Dabei schnappe ich einen Dialog neben mir auf. Eine Frau um die 60 spricht mit der Verkäuferin. "Naa, in dem Stoff schwitzt er immer so. Vielleicht g'fallt ihm des andere Hemmad besser. Probier mer des amol!" Erst später merke ich: Sie spricht über ihren Ehemann, der während des gesamten Gesprächs schweigend neben ihr steht...

Bleiben noch die Liegestühle: 400 davon standen in der ganzen Innenstadt verteilt. Schnell sah man aber Besucher, die sich mit einem Stuhl unterm Arm auf den Weg machten. Meine zunächst gefassten Pläne, die Polizei zu rufen und Zivilcourage zeigend den Dieb lautstark anzuprangern, setze ich nicht um. Zum Glück. Die Stadt hatte die Liegestühle zuvor an die Besucher verschenkt. 




Mittwoch, 7. Mai 2014

Der Nachfolger der Könige - Horst Seehofer in Gersthofen

Die Frage der Fragen kommt gleich zu Beginn. Von meinem Sitznachbar an seinen Kumpanen. "Wieso gibt's da jetzt kein' Marsch ned? Früher gab's da immer an Marsch!" Gemeint war der Einzug des Ministerpräsidenten in die Halle. Er kommt halt einfach rein, weder pompöse Musik vom Band noch eine Untermalung durch die örtliche Blaskapelle erklingt. Das stört nicht, ist aber untypisch für einen, der wenig später von "meinen Vorgängern, den bayerischen Königen" spricht.
Weder Krone, noch Zepter, nur Seehofer. Und Markus Ferber. Das ist das Konzept von "Seehofer direkt", mit dem er derzeit durch den Freistaat zieht. Das ist insofern wohltuend, als dass endlose Reden und Monologe vermieden werden und zumindest ein Hauch Interaktion und Dialog durch die gut besuchte Stadthalle weht. Die Fragen der Besucher - fast alle eingefleischte CSU-Mitglieder - sollen im Mittelpunkt stehen. Die Gefahr, die dabei immer besteht, wird auch in Gersthofen schnell sichtbar: Viele stellen keine Fragen, sie halten Referate oder geben teils wunderliche Statements ab. Stellenweise wissen Ferber und Seehofer gar nicht, worauf sie antworten sollen.
Am prägnantesten äußert sich noch die Dame, die sich selbst als "einfache Hausfrau" vorstellt und wissen will, für was diese AfD denn so stehe. Im Freundeskreis spreche man oft darüber - "und ich sage Ihnen, wir haben einen außerordentlich großen Freundeskreis!" Seehofer lächelt, Ferber antwortet.

Die Stimmung im Saal ist gut. Seehofer sei "subbrr drauf", bestätigen die Besucher an dem Tisch, wo vorher die ausbleibende Marschmusik kritisiert wurde. Seehofer und Ferber machen nochmal klar: Ja zu Europa! Das "Aber", das danach kommt, ist jedoch recht groß. Die EU solle sich um die großen Probleme kümmern - Ukraine, Klimawandel, Flüchtlingsströme - aber nicht um die Wärmeplatten von Kaffeemaschinen, Ölkännchen beim Italiener oder Glühbirnen. Die EU-Kommission soll massiv verkleinert werden, wenn es nach der CSU geht. Kritikern aus der CDU empfiehlt Ferber, "einach mal die europäischen Verträge zu lesen. Dort ist das eindeutig so formuliert."
Auch um Regionales geht es dann noch. Die viel diskutierte Stromtrasse durch Bayern mit dem Endpunkt in Meitingen im Landkreis Augsburg werde es mit ihm nicht geben, so Seehofer. "Wir haben doch nicht die Energiewende eingeleitet, um dann eine Leitung zu bauen, damit die Sachsen-Anhaltiner ihren Kohle-Strom loswerden."
Als es gerade keine bahnbrechenden Fragen mehr gibt, wird der FC Augsburg gepriesen (Seehofer: "Weinzierl ist ein hervorragender Trainer!") oder die Erfolge bayerischer Sportler bei Olympia ("Fast alle Medaillen-Gewinner kommen von hier!").
Markus Ferber liefert gegen Ende noch ein Hauptargument, warum man die CSU und damit ihn wählen soll. "Ich bin der Einzige aus der Region, der eine Chance hat, ins Parlament gewählt zu werden!" Da hat er recht. Die anderen Kandidaten aus der Region, die zuvor noch jubelnd begrüßt wurden und artig ins Publikum winkten, wirken dennoch leicht irritiert.

Seehofer und CSU-Spitzenkandidat Ferber können nicht gut miteinander. Sagt man. In Gersthofen spielen sie sich auf der Bühne die Bälle eigentlich ganz gut zu, auch wenn der Ministerpräsident den Europapolitiker das ein oder andere Mal etwas auflaufen lässt. Aber er ist nun mal der Boss. Der Boss sagt dann auch, dass er Markus Ferber schon zwei Mal als Minister nach München holen wollte, der habe aber abgesagt. So etwas habe er auch noch nie erlebt. Jetzt lächelt Ferber. Womöglich ist die Geschichte frei erfunden, womöglich hatte Ferber aber auch keine Lust auf Seehofers legendäre Maßregelungen seiner Minister am Kabinettstisch.
Auch die direkten Mitarbeiter Seehofers haben stellenweise wenig zu lachen. Als Seehofer eintrifft, stürmt eine Frau auf ihn zu, übergibt ihm einen Brief mit einem vermutlich weltbewegenden Anliegen und kritisiert, sie habe auf ihr erstes Schreiben keine Antwort erhalten. Seehofers Miene verfinstert sich, er blickt zu seinem Mitarbeiter. "Wie kann das sein? Das gibt es nicht, dass Sie keine Antwort erhalten. Das ist ein Unding." Böser Blick zum Mitarbeiter, der den Brief mittlerweile entgegen genommen hat, von der Frau, ihrem Anliegen und einer ausbleibenden Antwort natürlich ebenso wenig weiß wie der Ministerpräsident. Aber der ist der Boss.

Im anschließenden Interview für TV und Radio wird Seehofer die Frage gestellt, was Europa von Schwaben lernen könne. Seehofer überlegt nicht lange: "Alles." Und lächelt.



Horst hat viel vor mit Europa - schon seine Vorgänger, die Könige, seien europaorientiert gewesen, sagt er.

Freitag, 18. April 2014

"Kommunalpolitische Brillanz": Günstiges Parken, neues Maxfest und Kleingärten


So ein bisschen hatte man ja schon gehofft, dass die Unterzeichnung der Koalitionsvereinbarungen in Augsburg pompös verlaufen würde, mit lautstarker Trompeten-Musik, den Augsburger Domsingknaben, Glockengeläut vom Perlachturm, aufsteigendem weißen Rauch und großen Reden. Nun, immerhin Reden gab es, wenn auch keine großen. CSU-Routinier Bernd Kränzle preschte vor und sprach plakativ von der "Geburtsstunde kommunalpolitischer Brillanz". Die Messlatte für die nächsten sechs Jahre wäre damit schon mal weltrekordverdächtig hoch gelegt.

Der Rest fiel im Sitzungssaal des Rathauses eher bodenständig aus. CSU, SPD und Grüne gaben sich harmonisch und legten dar, warum es für Stadt und Parteien gut sei, ein Dreier-Bündnis einzugehen. Auch jetzt werden Kurt Gribl und Stefan Kiefer wohl keine Busenfreunde, die sich jeden Abend im Ratskeller oder ihrem Wohnviertel Pfersee bei ein paar Bier Männergeschichten erzählen. "Das ist in der Politik wie innerhalb der Verwandtschaft, wo sich manchmal Zufallsbekanntschaften ergeben. Wichtig ist, dass man kooperiert und gemeinsam Probleme löst", sagt Kiefer. Klingt nicht nach großer Liebe, aber das muss und soll eine solche Koalition ja gar nicht sein.

Kurt Gribl wollte eine breite Mehrheit, die hat er jetzt. Sie ist sogar so breit, dass es nicht schlimm ist, wenn die Grünen nicht alle Entscheidungen mittragen. Deshalb auch zwei Verträge: Einer, den alle drei Parteien unterzeichneten und einer zwischen CSU und SPD.
Darin geht es um bahnbrechende Pläne wie die Schaffung neuer Kleingärten in der Stadt. Aber auch um tatsächlich Interessantes:
Die CSU setzt ihr Wahlversprechen durch und macht das Parken in der Stadt günstiger. Die Semmeltaste wird wieder auf 30 Minuten ausgeweitet und ein Parkticket muss man erst ab 9.30 Uhr ziehen. Zudem soll geprüft werden, ob am Magesberg ein neues Parkhaus gebaut werden kann. Den Ansichten der Grünen widerspricht das komplett, deshalb ist dieser Punkt auch nur in  der SPD/CSU-Vereinbarung zu finden.
Das Maxfest soll 2015 wieder kommen! Es wird dann aber einen anderen Charakter aufweisen, wegen sicherheitsrelevanter Aspekte, wie es heißt. Immerhin hatte die Stadtverwaltung beim geplatzten Maxfest 2011 mit einem völlig unrealistischen Forderungskatalog die Muskeln spielen lassen und eine kurzfristige Absage aus genau diesen Gründen durchgesetzt. Deshalb wird es wohl eine Ausweitung des Fests geben, möglicherweise auf die gesamte Innenstadt oder verschiedene, größere Schauplätze.
Die sanierungsbedürftigen städtischen Bäder will man zu den Stadtwerken schieben. Diese sollen dann für Betrieb und Renovierung aufkommen. Preiserhöhungen soll es aber nicht geben. Also anders als jedes Jahr beim Öffentlichen Nahverkehr...
Lange war es still um den Fünffingerlesturm. 2007 noch ein großes Thema, dann in der Versenkung verschwunden. Die heiß diskutierte Treppe steht dort halb fertig und keiner traut sich ran. Jetzt holt sich die Politik das Thema wieder auf die Agenda. Ziel: Die Treppe soll nicht fertig gebaut, sondern eher entfernt werden. Das aber wiederum nur im Einvernehmen mit allen Beteiligten, also auch der Alt-Augsburg-Gesellschaft, die mit der Treppe den Turm öffentlich zugänglich machen wollte. Wann die unendliche Geschichte ein Ende hat, ist also noch nicht absehbar. Die meisten hatten den Turm inklusive Treppe wohl ohnehin bereits vergessen...
Die Großprojekte gehen logischerweise weiter: Die Innenstadt soll fertig umgebaut werden (Fugger-Boulervard zwischen Kö und Theater), Theater-Sanierung, Hauptbahnhof-Umbau und ein groß angelegtes Sanierungsprogramm für die Schulen sollen kommen. Der neue Sozialreferent und dritte Bürgermeister Stefan Kiefer schreibt sich zudem bezahlbares Wohnen in Augsburg auf die Fahnen.

Auch die Referenten sind soweit alle benannt. Bei der künftigen, breiten Regierungsmehrheit sollte es keine Wahl-Pannen geben wie 2008. Zudem ist OB Gribl mittlerweile in einer anderen Position und konnte seine Wunsch-Referenten durchsetzen. In seiner ersten Amtszeit wurde schnell klar, dass auf einigen Positionen falsch aufgestellt wurde.
Eva Weber wird deshalb zweite Bürgermeisterin und Doppel-Referentin und damit für ihre gute Arbeit und ihr überragendes Wahlergebnis belohnt. Reiner Erben übernimmt das neue Referat für Umwelt und Integration und löst Rainer Schaal ab, der so etwas wohl schon ahnte und sich in den Urlaub auf die Kanaren verabschiedet hat. Dass Baureferent Merkle und Schulreferent Köhler bleiben, war ohnehin für die CSU nicht verhandelbar. Kulturamtsleiter Thomas Weitzel folgt auf Peter Grab als Kulturreferent - ohne die zunächst geplante Ausschreibung. Für eine Überraschung sorgte anfangs die SPD, als durchsickerte, dass Fraktionsgeschäftsführer Dirk Wurm neuer Referent für Ordnung und Sport werden soll. Führende CSU-Politiker und auch viele in der SPD haben dagegen große Vorbehalte. Mitglieder des Dreier-Bündnisses sind sich sicher, dass er von allen Referenten am 2. Mai das schlechteste Wahlergebnis einfahren wird. Im Amt des Ordnungsreferenten folgt er übrigens seinem Onkel: Alt-Bürgermeister Klaus Kirchner.







Montag, 17. März 2014

Wahl-Bilanz: Hypnose-Blicke und schwarz-grünes Abtasten

Eigentlich hatte ich den 30. März schon als Arbeitstag im Kalender stehen. Eine Stichwahl in Augsburg galt als durchaus wahrscheinlich. Seit gestern Abend ist klar, dass ich diesen Tag auf der Couch, im Café oder sonstwo verbringen kann.  Und 200.000 Wählerinnen und Wähler ebenso.

Der Wahlkampf selbst war für Journalisten eher mühsam, denn die griffigen Themen gab es schlicht und einfach nicht. Der Kö ist fertig und der Verkehr läuft passabel, das Eisstadion ist jetzt (zum großen Teil zumindest) erneut umgebaut und kommt gut an, auf der einspurigen Friedberger Straße blieb der Verkehrskollaps aus und die Baustellen werden langsam weniger, auch wenn neuerdings eine Art A8 über den Rathausplatz verläuft. Kein leichter Job für die Opposition also. Acht Herausforderer waren dann im Endeffekt sogar positiv für den OB, da sie sich gegenseitig die Stimmen für eine mögliche Stichwahl genommen haben.

Jetzt also dann die Bildung der neuen "Stadtregierung". Kurt Gribl will mit allen sprechen - außer der Linkspartei und der AfD. Mit wem zuerst? Das komme schlicht und einfach darauf an, wer wann Zeit habe, so der OB. Von CSU-Verantwortlichen hört man oft das Wort "Stabilität", wenn es um ein neues Bündnis geht. Das stabilste hätte man zweifellos mit der SPD. Eine Augsburger GroKo also. Mit Gribl als OB und Kiefer als Bürgermeister. Die Abneigung, die beide füreinander empfinden, wäre wohl überwindbar. Es gibt aber auch andere Möglichkeiten: Wie wäre es mit Schwarz-Grün? Was in München schon lange diskutiert wird, könnte auch in Augsburg zur Sprache kommen. Allerdings nicht als Zweier-Bündnis, ein dritter Partner müsste mit ins Boot. Wieder Pro Augsburg? Nicht zwingend. Die CSM wäre ja auch noch da. Bei den Grünen entscheiden am Mittwoch die Mitglieder über das weitere Vorgehen. Bleibt das Personal und die künftige Aufteilung der Referate. Die CSU-Referenten Eva Weber, Hermann Köhler und Gerd Merkle gelten als gesetzt, auch Rainer Schaal dürfte keine allzu schlechten Aussichten haben. Sozialreferent Weinkamm dagegen ist ein Wackelkandidat. Auch mit den Referenten will Gribl bald das Gespräch suchen. Fehlgriffe wie 2008 die Herren Böhm und Bubmann sollen vermieden werden.

Diejenigen, die wählen waren, haben immerhin fleißig von ihrem Recht Gebrauch gemacht, Stimmen zu verteilen. Und haben die "Wahlvorschläge" der Parteien dabei stellenweise ganz schön durcheinander gewirbelt. Dass sich Leo Dietz bei der CSU wieder massiv nach vorne arbeiten würde, fällt auf, kommt aber wenig überraschend. Erstaunlich ist dagegen der sensationelle Aufstieg des Inklusions-Aktivisten Benedikt Lika um 26 (!) Plätze auf Rang 9. Dass es auch in die andere Richtung gehen kann, musste Florian Zach erfahren, der von 18 auf 32 runtergewählt wurde. Bei der SPD macht die stets gut gelaunte Siglinde Wisniewski einen Sprung von 8 auf 4. Das Ergebnis von Pro Augsburg ist enttäuschend, das Ergebnis von Anna Tabak ist dennoch eine Überraschung. Sie springt von 9 auf 5 und hat durchaus noch Chancen auf ein Stadtratsmandat. Ein Kollege meinte kürzlich, ihr Blick auf den Plakaten wirke hypnotisierend. Vielleicht lag's daran. Dass Wahlplakate eben doch etwas bringen, sieht man auch bei der CSM. Kinan Salameh verpasst zwar den Sprung in den Stadtrat, arbeitet sich aber von der 19 uf die 6 vor. Etwas traurig bin ich zugegebenermaßen, dass meine Lieblings-Kandidaten, die ich für eine Reportage begleitet habe, den Sprung verpasst haben (Ich hoffe, es lag nicht daran...): René Sack (CSU) und Ingrid Schaletzky (SPD). (Das Endergebnis liegt übrigens noch nicht vor, Stand 19 Uhr 17.03.14)

Bleibt letztlich noch der Plakat-Dschungel in der Stadt: Mit gutem Beispiel geht der wohl künftige Stadtrat Peter Schwab voran, der gestern Nacht noch sämtliche Plakate von sich eingesammelt hat. Bravo!





Samstag, 15. Februar 2014

Wie auf der Dult, nur umsonst: Parteien im Wahlkampf-Endspurt


"Darf's für drr kloine Bua o no was sei?", schallt es aus dem mobilen Stand. Es ist so ein bisschen wie auf der Dult, wenn man an einem Samstag vor der Wahl durch Augsburgs Innenstadt läuft. Auch die feilgebotene Ware ähnelt sich: Essbares (Müsliriegel, Schokolade, Bonbons), Trinkbares (Kaffee, sogar mit Milch und Zucker) oder Krimskrams (Sattelschoner fürs Rad). Nur: Im Gegensatz zur Einkaufsstraße zwischen Vogel- und Jakobertor gibt's das derzeit alles kostenlos, umsonst und sogar gratis. Von den Parteien.

Zur Freude einiger Schnorrerinnen und Schnorrer in der Stadt. "Es gibt schon auch unverschämte Leute", sagt ein Kandidat für den Stadtrat, dem eine resolute Dame gerade zielstrebig den Präsentekorb geleert hat und sich freundlich mit den Worten verabschiedet, nun sei man für das Wochenende versorgt.

Anschließend müssen die ausgeschwärmten Lokalpolitiker die Fußgängerzone kurzzeitig räumen, ein dicker Jeep rollt nämlich laut brummend durch die Annastraße. Ein namhafter Stadtratskandidat winkt bei heruntergelassenem Fenster gut gelaunt heraus. Er sei auf dem Weg zum Infostand (in der Fußgängerzone) und freue sich über das schöne Wetter.

Kaum eine Partei, die an diesem Tag nicht in der City vertreten ist und das neue Pflaster nicht nutzt, um etliche Kilometer zurückzulegen. Auch die beiden aussichtsreichsten Kandidaten auf den OB-Sessel sind vor Ort und führen zahlreiche Gespräche.

Hinter vorgehaltener Hand erzählt man sich, dass Kandidat XY bei kaum einem Infostand dabei sei, aber der ruhe sich nun mal auf seinem guten Listenplatz aus.
Als Kandidat YZ feststellt, dass sein Gesprächspartner in Augsburg gar nicht wahlberechtigt ist, wird dieser freundlich, aber bestimmt gebeten, die eben erhaltenen Kugelschreiber gefälligst wieder herzugeben. Eventuell könne man noch einen Stift des Spitzenkandidaten organisieren, der habe mehr Material zur Verfügung. 
Als Kandidat xx einen zweideutigen Spruch ablässt, weist ihn seine Parteifreundin missbilligend darauf hin, dass sie ihn nun eigentlich nicht mehr wählen könne und deshalb die Äußerung geflissentlich überhöre.
Nur selten kommen Menschen vorbei, um ihren geballten Frust loszuwerden. So wie jener Herr, der dem Stadtratskandidaten ins Gesicht brüllt "Tunnel statt Chaos!!!!!" und anschließend weiter seines Weges geht, als wäre nichts gewesen, den engagierten Politiker irritiert zurücklässt und sein Begehr nicht weiter ausführt.

Seit dem Sommer sind die Parteien im Dauerwahlkampf und wenn Ende März feststeht, wer Oberbürgermeister in Augsburg wird, sind viele ehrernamtliche lokale Kandidaten froh, wenn dieser Marathon ein Ende findet. Was sie tun werde, wenn die Wahlen vorbei sind, wird eine Kandidatin gefragt. Sie zögert. Schließlich: "Die Wohnung aufräumen."









Donnerstag, 16. Januar 2014

Ziemlich beste Freunde


Ich mag René Sack. Er ist für mich ein guter Freund und Begleiter geworden. Wir sehen uns meistens zwei Mal am Tag. In der Früh um sieben Uhr und gegen 17 Uhr erneut. Dass sich bei René die emotionalen Regungen in Grenzen halten, egal was ich erzähle, darf dabei nicht irritieren. Egal ob ich jammere nach einem harten Tag oder ob ich euphorisch das Ergebnis einer Recherche anpreise, er schaut immer gleich. Denn: René Sack blickt auf mich herab von zahlreichen Wahlplakaten am Straßenrand. Ich kenne ihn nicht persönlich, doch durch seine Omnipräsenz gehört er praktisch zur Familie. Wobei, doch, ich weiß durchaus einiges von meinem Lieblings-Politiker mit der markanten Brille: Zunächst, dass er definitiv auf zack ist. Denn sonst würde er das ja nicht auf seine Plakate schreiben. Zudem ist er leitender Angestellter, entnehme ich der Wahlkampfbroschüre. Und da er mir also schon so ans Herz gewachsen ist, wurde ich ebenso nervös wie er, als sein Handy letztens lautstark zu klingeln begann, während zwei Meter weiter der Ministerpräsident eine Rede hielt. Zum Glück ging alles gut.


René Sack ist einer der Kandidaten, die man auf den Plakaten in der Stadt derzeit fast öfter sieht als den amtierenden Oberbürgermeister. Die Liste einer Partei für die Kommunalwahl umfasst normalerweise 60 Männer und Frauen. Selbst bei den Volksparteien wird also ein Großteil ohne Mandat aus der Wahl hervorgehen. Auf kommunaler Ebene können Kandidaten nun aber auf der Liste nach vorne katapultiert werden. Die Kommunalwahl ist mehr als jede andere eine Persönlichkeitswahl. Bekanntheit ist alles. Deshalb investieren potentielle Stadträte in Plakate, obwohl viele von ihnen schon für die Kandidatur einen gehörigen finanziellen Eigenbeitrag leisten müssen. Aber wer in Zukunft vielleicht mal mitregieren will, muss erstmal in Vorleistung gehen: Plakate, Kugelschreiber oder die stets beliebten Luftballons. Und unter Umständen gibt es auch Hobby-Politiker, die einfach mal gerne ein Plakat von sich sehen wollen. Ist ja auch was Schönes. 

Mein neuer Kumpel René Sack steht auf Platz 39. Es wird also eng für ihn, er braucht jede Stimme. Morgen früh um sieben sehen wir uns wieder. Bis zum 16. März, jeden Tag.